Ideologische Voraussetzungen, Inhalte und Ziele außenpolitischer Programmatik und Propaganda in der deutschvölkischen Bewegung der Anfangsjahre der Weimarer Republik - Das Beispiel Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund
Ideological prerequisites, contents and goals of the programmatic policies and propaganda regarding foreign affairs in the German 'völkisch' movement during the initial years of the Weimar Republic - example 'Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund'
Jung, Walter
Doctoral thesis
Date of Examination:
2001-01-30
Date of issue:
2003-01-08
Advisor:
Hagen, Manfred Prof. Dr.
Referee:
Hagen, Manfred Prof. Dr.
Referee:
Trittel, Günther J. Prof. Dr.
Persistent Address: http://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-B4BD-2
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Name:
jung.pdf
Size:
5,2 MB
Format:
PDF
Description:
Dissertation
Abstract
German
Diese ideologiegeschichtliche Dissertation hat die ideologischen Voraussetzungen, Inhalte und Ziele außenpolitischer Vorstellungen zum Gegenstand, die in den ersten (Krisen-)Jahren der Weimarer Republik (1918-1923) von der deutschvölkischen Bewegung - teils basierend auf aus der Vorkriegszeit tradierten Ideologemen - entwickelt und propagiert wurden. Einleitend analysiert und definiert sie die ideologischen Grundlagen deutschvölkischen außenpolitischen Denkens: das Politik- und Außenpolitikverständnis der Deutschvölkischen, deren Verständnis von Krieg und Militär als Mittel der Außenpolitik sowie deren Rassismus als zentralen Fixpunkt des deutschvölkischen Menschenbildes. Rassenantisemitismus erweist sich dabei als integraler, wenn auch von den Deutschvölkischen besonders betonter Bestandteil eines übergeordneten Rassismusbegriffes und wird deshalb nicht isoliert betrachtet. Das bedeutet für die Einordnung des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes (DVSTB), dass er anders, als in der bisherigen Forschung geschehen, als Rassistenbund und nicht ausschließlich als Antisemitenbund zu interpretieren ist. Im Februar 1919 gegründet, stieg der DVSTB bis zu seinem annähernd reichsweiten Verbot im Sommer 1922 aufgrund seines von Anbeginn reichsweiten Ortsgruppennetzes und seiner rasanten Mitgliederentwicklung (Sommer 1922: ca. 150.000 bis 180.000 Mitglieder) innerhalb der sonst von der Zersplitterung in viele, häufig nur regional agierende Klein- und Kleinstgruppen gepägten völkischen Bewegung zur größten und dominierenden Einzelorganisation auf. Deshalb ist er als für die gesamte Bewegung repräsentative pars pro toto als eingrenzender Rahmen dieser Untersuchung ausgewählt worden. In einem weiteren Analyseschritt wird herausgearbeitet, wie die Deutschvölkischen die aus ihrer sozialdarwinistischen Sicht wichtigsten, da mächtigsten, stärksten Völker ("Engländer", US-Amerikaner, Franzosen und Russen) in ihrem rassistischen Menschenbild verorteten und welche tradierten Völkerstereotypen sie dabei verarbeiteten. Darüber hinaus legt die Dissertation dar, wie die Deutschvölkischen die aus ihrer Sicht wichtigsten außenpolitischen Ereignissen ihrer Zeit wahrnahmen und welche Positionen sie - ausgehend von ihrer ideologischen Grundüberzeugungen - dazu bezogen. Insbesondere am Beispiel der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuverfolgenden Forderung nach "Lebensraum im Osten" geht die Dissertation der über die Jahre 1922/23 weit hinausgreifenden Fragestellung nach, welche langfristigen Ziele, die ab 1933 offizielle Ziele deutscher Außenpolitik werden sollten, bereits zu Beginn der Weimarer Republik in der deutschvölkischen Bewegung entwickelt wurden. Abschließend werden die Kontakte beleuchtet, die der DVSTB - mit geringem Erfolg - versuchte, zu Gesinnungsgenossen im Ausland zu knüpfen, um eine "Völkische" bzw. "Weiße Internatioonale" zu gründen. Im Verlauf der Untersuchung werden Querverbindungen zu anderen zentralen völkischen Ideologiebestandteilen hergestellt, z. B. zu den bestimmenden völkischen Negationen Republik- und Demokratiefeindschaft, Antiparlamentarismus, Antikommunismus, Antiliberalismus, Antifeminismus, Antiindustrialismus und Antiurbanismus. Wiederholt werden die Methoden thematisiert, mit denen der DVSTB außenpolitische Themen innenpolitisch gegen die Repräsentanten und die verfassungsmäßige Ordnung der Weimarer Republik instrumentalisierte. Völkische Positionen zur Außenpoltik werden so in einen übergeordneten Zusammenhang zum völkischen Antimodernismus und somit in einen Gesamtkontext zum vielfältigen Spektrum völkischer Ideologie und Propaganda gestellt.
Subject:
Ideologie; Außenpolitik; Deutschvölkische Bewegung; Weimarer Republik; Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund