Mediengewinnspiele nach § 11 MStV
- auch eine glücksspielrechtliche Untersuchung -
Media swepptakes
- also a gambling law investigation -
by Christian Alexander Baum
Date of Examination:2023-04-27
Date of issue:2025-07-11
Advisor:Prof. Dr. Christine Langenfeld
Referee:Prof. Dr. Christine Langenfeld
Referee:Prof. Dr. Thomas Mann
Files in this item
Name:2025-07-01_Mediengewinnspiele_nach_§_11_MStV...pdf
Size:3.45Mb
Format:PDF
Description:Dissertation
Abstract
English
This thesis deals in six chapters with the legal classification and evaluation of sweepstakes in the media (here referred to as: media sweepstakes). It identifies the criteria by which such sweepstakes are evaluated and examines how they are integrated into the respective regulatory frameworks. The central initial question was how a media law regulation of sweepstakes through a newly created norm by the 10th Interstate Broadcasting Amendment Treaty would fit into an existing conglomerate of sweepstakes and gambling law regulation. According to this regulation, competitions in broadcasting and comparable or similar telemedia should be permitted. This also includes the voting-based games with associated competitions that are especially popular on television. The thesis was written at a time when German gambling and lottery regulation was experiencing a period of upheaval between strict control and prohibition regimes and liberalization. This was triggered (above all) by a judgement of the European Court of Justice from 8th of September 2010 in the Carmen Media (Case C-46/08) and Stoß (Case C-316/07) cases, in which the Court questioned whether the German gambling regulation system was, in its words, coherent. Subsequently, the question was raised in the case law, in particular by the administrative courts, as to whether the authorization of such media sweepstakes undermined the strict gambling regime in place up to that point in time. In addition to the question of the comprehensive legislative power for (prize) games in general of the federal states for or better through broadcasting and media law, a distinction had to be made between the two main pillars of German gaming law: regulatory gambling law and commercial gambling law. In contrast to gambling law, the concept of the game itself is central to proper legal classification in addition to the random character and the money spent on games - the stake. Regarding commercial gaming law, the scope of application of the commercial law regulations for virtual situations is discussed in light of location-based regulations and are based on the changed legal situation in the course of the preparation of the thesis. From a constitutional law perspective, the thesis examines the extent to which the regulation leads to a legitimate restriction on the freedom of broadcasting or the freedom to choose one`s occupation, and whether the principle of equality has been violated due to the different treatment of private and public broadcasters. Furthermore, the regulatory authority of the state media authorities at a sub-legislative level through the sweepstake statutes was of significance, whereby the question of (democratic) legitimacy in areas of intervention administration was of particular importance. Furthermore, the regulations of the statutes, which are specifically intended to regulate the operation of sweepstakes, are examined in terms of their specificity and legality. In this context, the admissibility of the penalties regulated therein is also (critically?) examined, especially from the point of view of the reference technique via blanket norms. Following a brief consideration of advertising and the supervision of sweepstakes, the thesis concludes with a European law perspective. It discusses the freedom to provide services within the EU for sweepstakes operators and the question of the effects of media sweepstakes regulation on the coherence requirement established by the European Court of Justice.
Keywords: sweepstake; sweepstake-tv-show; coherence; State Media Authority; § 11 MStV; Braodcasting law; "broadcasting-like" telemedia; gambling law; sub-legal sweepstake regulation; Interstate Media Treaty; broadcasting law; EuGH C-46/08 (Carmen Media); EuGH C-316/07 (Stoß); EuGH C-316/07 (Stoß)
German
Die Arbeit behandelt in sechs Kapiteln die rechtliche Einordnung und Bewertung von Gewinnspielen in den Medien (hier genannt: Mediengewinnspiele). Es wird herausgearbeitet nach welchen Krite-rien Gewinnspiele bewertet werden und wie sie in die jeweiligen Regulierungsregime eingefügt werden können. Zentrale Ausgangsfrage war, wie sich eine medienrechtliche Regulierung von Gewinnspielen durch eine neu geschaffene Norm durch den 10. Rundfunkänderungsstaatsvertrages in ein bestehendes Konglomerat gewinn- und glücksspielrechtlicher Regulierung einfügen würde. Nach dieser Regelung sollten Gewinnspiele in Rundfunk und vergleichbaren bzw. rundfunkähnlichen Telemedien erlaubt sein. Davon umfasst sind auch die vor allem im Fernsehen beliebte Votings mit verbundenem Ge-winnspiel. Die Arbeit entstand in einer Zeit, als die deutsche Glücks- und Gewinnspielregulierung eine Um-bruchsphase zwischen strengem Kontroll- und Verbotsregime und Liberalisierung erlebte. Ausge-löst wurde dies (vor allem) durch Urteile des Europäischen Gerichtshofes vom 8. September 2010 in Sachen Carmen Media (Rs. C-46/08) und Stoß (Rs. C-316/07), in der der Gerichtshof die Frage aufwarf, ob das deutsche Glücksspielregulierungssystem schlüssig – in den Worten des Gerichtsho-fes kohärent – sei. In der Folge wurde in der Judikatur und insbesondere der Verwaltungsgerichts-barkeit die Frage aufgeworfen, ob die Erlaubnis solcher Mediengewinnspiele das bis zu diesem Zeitpunkt strenge Glücksspielregime unterlaufe. Neben der Frage nach der umfassenden Gesetzgebungsbefugnis für (Gewinn-) Spiele der Länder für oder besser durch das Rundfunk- bzw. Medienrecht war eine Abgrenzung zu den beiden Säulen des deutschen Spielrecht, des ordnungsrechtlichen Glück- und des gewerberechtliche Gewinnspiel-rechts vorzunehmen. Insbesondere in Abgrenzung zum Glücksspielrecht sind dabei neben dem Zufallscharakter und das für Spiele aufgewandte (Ent-)Geld – der Einsatz – auch der Begriff des Spiels selbst für die zutref-fende Einordnung wesentlich. In Abgrenzung zum gewerblichen Spielrecht sind die Fragen dem Anwendungsbereich der gewerbe-rechtlichen Regelungen für virtuelle Sachverhalte unter dem Gesichtspunkt ortsbezogener Regelun-gen erörtert und auf die – im Laufe der Erstellung der Arbeit geänderte – Gesetzeslage eingegangen worden. Aus verfassungsrechtlicher Sicht ist der Frage nachgegangen worden, inwieweit es durch die Regu-lierung zu einer eine (rechtmäßigen) Einschränkung der Rundfunk- oder auch der Berufsfreiheit kommt und ob durch die unterschiedliche Behandlung von privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk der Gleichheitssatz verletzt worden ist. Weiter war die Regulierungsbefugnis der Landesmedienanstalten auf untergesetzlicher Ebene durch die Gewinnspielsatzung von Bedeutung, wobei die Frage nach (demokratischen) Legitimation in Bereichen der Eingriffsverwaltung besondere Bedeutung zukam. Ferner werden die einzelnen Satzungsbestimmungen, die konkret den Ablauf von Gewinnspielen regulieren sollen auf ihre Be-stimmtheit und Rechtmäßigkeit hin untersucht. In diesem Zusammenhang wird auch die Zulässig-keit der dort geregelten Bußgeldtatbestände untersucht, gerade unter dem Gesichtspunkt der Verweistechnik über Blankettnormen beleuchtet. Nach einem kurzen Seitenblick auf die Werbung und die Aufsicht über Gewinnspiele, wird die Ar-beit von einer europarechtlichen Untersuchung mit Blick auf die Dienstleistungsfreiheit für die An-bieter von Gewinnspielen und der Frage nach den Auswirkungen der Mediengewinnspielregulie-rung auf das Kohärenzerfordernis, welches der Europäische Gerichtshof formuliert hatte, abge-schlossen.
Schlagwörter: Gewinnspiel;; Gewinnspielsendung; rundfunkähnliche Telemedien; Glücksspiel; § 11 MStV; Gewinnspielsatzung; Landesmedienanstalt; Medienstaatsvertrag; Rundfunkstaatsvertrag; Glücksspielstaatsvertrag; Kohärenz; Glücksspielrecht; Rundfunkrecht; EuGH C-46/08 (Carmen Media); Ausgestaltungsgesetzesvorbehalt
