Wissen und Einstellungen von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 zu ihrer Mundgesundheit (Diabetes mellitus Typ 2 und seine Begleit- und Folgeerkrankungen)
Knowledge and attitudes of individuals with type 2 diabetes mellitus regarding oral health (type 2 diabetes mellitus and its comorbidities and complications)
by Anemone Andrea Heineke née Köthe
Date of Examination:2026-01-20
Date of issue:2025-12-18
Advisor:PD Dr. Christiane Müller
Referee:Prof. Dr. med. Ildiko Gágyor
Referee:PD Dr. Sabine Sennhenn-Kirchner
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Description:Dissertation als PDF
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Abstract
English
BACKGROUND: Type 2 diabetes mellitus (T2DM) and periodontitis are widespread chronic diseases that influence each other bidirectionally and can significantly impair the quality of life of affected individuals. Despite these well-established associations, little is known about how people with T2DM in Germany perceive their oral health. The aim of this qualitative study was to explore patients’ perceptions of their own oral health, ist subjective importance, oral health–related behaviors, and their level of knowledge regarding the relationship between T2DM and oral health. METHODS: Twenty-one individuals with T2DM from Lower Saxony, Germany, participated in open, semi-structured interviews. Data were analyzed using a structured qualitative content analysis approach. RESULTS: Oral health was described as important for overall well-being and social participation. Oral health problems were common but were rarely associated with diabetes; instead, participants attributed them to other health-related or biographical factors. Approaches to oral health care varied considerably: while some participants consistently implemented preventive measures, others sought dental care primarily in response to acute symptoms. Knowledge of the relationship between T2DM and oral health was generally limited and was rarely addressed in interactions with healthcare professionals. Overall, people with T2DM had access to only limited information on this topic. CONCLUSIONS: A lack of awareness of the relationship between oral health and T2DM may restrict both risk perception and the uptake of preventive measures. To empower people with T2DM, oral health literacy should be specifically promoted through context-based, practical, and participatory educational interventions. In addition, the findings indicate shortcomings in interdisciplinary communication. Improved collaboration between general practitioners and dentists could help close information gaps and establish preventive approaches at an early stage. Initial developments, such as the integration of oral health into disease management programs and the adaptation of clinical guidelines, are already emerging.
Keywords: patient perspective; type 2 diabetes mellitus; oral health; health perception; interview
German
HINTERGRUND: Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) und Parodontitis sind weit verbreitete chronische Erkrankungen, die sich wechselseitig beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Trotz der bekannten Zusammenhänge ist bislang wenig darüber bekannt, wie Menschen mit DM2 in Deutschland ihre Mundgesundheit wahrnehmen. Ziel dieser qualitativen Studie war es, die Wahrnehmung der eigenen Mundgesundheit, deren subjektiven Stellenwert, das Mundgesundheitsverhalten sowie den Kenntnisstand zum Zusammenhang zwischen DM2 und Mundgesundheit aus Sicht der Betroffenen zu untersuchen. METHODE: Es wurden 21 Menschen mit DM2 aus Niedersachsen in offenen, leitfadengestützten Interviews befragt. Die Auswertung erfolgte mittels strukturierender Inhaltsanalyse. ERGEBNISSE: Die Mundgesundheit wurde als wichtig für das allgemeine Wohlbefinden und die soziale Teilhabe beschrieben. Beschwerden im Mundraum waren häufig, wurden jedoch selten mit der Diabeteserkrankung in Verbindung gebracht. Stattdessen nannten die Teilnehmenden andere gesundheitliche oder biografische Faktoren als mögliche Ursachen. Der Umgang mit der eigenen Mundgesundheit variierte deutlich: Während einige präventive Maßnahmen konsequent umsetzten, suchten andere zahnärztliche Hilfe überwiegend erst bei akuten Beschwerden auf. Der Zusammenhang zwischen DM2 und Mundgesundheit war überwiegend unbekannt und wurde im Kontakt mit medizinischem Fachpersonal nur selten thematisiert. Insgesamt verfügten Menschen mit DM2 nur über ein geringes Informationsangebot zu diesem Themenbereich. SCHLUSSFOLGERUNG: Das fehlende Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und DM2 kann sowohl die Risikowahrnehmung als auch die Inanspruchnahme präventiver Maßnahmen einschränken. Zur Stärkung von Menschen mit DM2 sollte die Mundgesundheitskompetenz gezielt gefördert werden, beispielsweise durch lebensweltbezogene, praxisnahe und partizipative Schulungsangebote. Zudem zeigen die Ergebnisse Defizite in der interdisziplinären Kommunikation. Eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Haus- und Zahnärzten könnte dazu beitragen, Informationslücken zu schließen und präventive Ansätze frühzeitig zu verankern. Erste Entwicklungen, etwa die Integration des Themas in Disease-Management-Programme und die Anpassung von Leitlinien, sind erkennbar.
Schlagwörter: Patientenperspektive; Diabetes mellitus Typ 2; Mundgesundheit; Gesundheitswahrnehmung; Interview