Multimorbidität als Prädiktor für eine stationäre Aufnahme in der klinischen Notfall- und Akutmedizin
Monozentrische Clusteranalyse
Multimorbidity as a predictor for inpatient admission in clinical emergency and acute medicine
Single-center cluster analysis
by Eida Grüneberg née Manouchehri
Date of Examination:2026-02-03
Date of issue:2026-01-08
Advisor:Prof. Dr. Sabine Blaschke-Steinbrecher
Referee:Prof. Dr. Sabine Blaschke-Steinbrecher
Referee:Prof. Dr. Tibor Kesztyüs
Referee:Prof. Dr. Leif Saager
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Format:PDF
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Abstract
English
Background Parallel to demographic trends, an increase of multimorbid patients in emergency and acute medicine is prominent. To define easily applicable criteria for the necessity of inpatient admission, a hierarchical cluster analysis was performed. Methods In a retrospective, single-center study data of n = 35,249 emergency cases (01/2016–05/2018) were statistically analyzed. Multimorbidity (MM) was defined by at least five ICD-10-GM diagnoses resulting from treatment. A hierarchical cluster analysis was performed for those diagnoses initially summarized into 112 diagnosis subclusters to determine specific clusters of in- and outpatient cases. Results Hospital admission was determined in 81.2% of all ED patients (n = 28,633); 54.7% of inpatients (n = 15,652) and 0.97% of outpatient cases (n = 64) met the criteria for multimorbidity and the age difference between them was highly significant (68.7/60.8 years; p < 0.001). Using a hierarchical cluster analysis, 13 clusters with different diagnoses were identified for inpatient multimorbid patients (MP) and 7 clusters with primarily hematological malignancies for outpatient MP. The length of stay in the ED of inpatient MP was more than twice as long (max. 8.3 h) as for outpatient MP (max. 3.2 h.). Conclusions The combination of diagnoses typical for MM were characterized as clusters in this study. In contrast to single or combined single diagnoses, the statistically determined characterization of clusters allows for a significantly more accurate prediction of ED patients’ disposition as well as for economic process allocation.
Keywords: Emergency department; Multimorbidity; Disposition; Cluster analysis; ICD-10-GM diagnose
German
In der klinischen Notfall- und Akutmedizin wurden in der letzten Dekade überwiegend theoretische Modelle mit monodimensionalen Kriterien für die Indikation zur stationären Aufnahme von Notfallpatienten entwickelt. Ziel der retrospektiven Studie war es, operationalisierbare Kriterien für eine stationäre Behandlungsnotwendigkeit in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) zu definieren. Hierzu wurden die Daten von mehr als 35000 Notfällen der ZNA der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Zeitraum Januar 2016 - Mai 2018 mit Hilfe der im Verlauf resultie-renden ICD-10-GM-Diagnosen ausgewertet. Multimorbidität wurde bei Vorliegen von mindestens n = 5 Diagnosen angenommen. Mittels Clusterung erfolgte eine statistische Analyse in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit einer stationären Aufnahme bzw. einer weiteren ambulanten Versorgung. Eine stationäre Aufnahme erfolgte bei 81 % aller Notfälle, davon wurden 55 % (n = 15.652) als Multimorbide klassifiziert. Dieser Anteil lag bei ambulanten Notfällen lediglich bei 1 % (n = 64). Stationäre Fälle waren statistisch hochsignifikant älter als ambulante Fälle (68,7/60,8 J.) (p<0,001; 95 %-CI [3.73, 12.18]; t(63,5)=3,76) und umfassten daher etwa zur Hälfte typisch geriatrische Fälle. Nach Zusammenfassung der häufigsten ICD-Diagnosen a priori in 112 Diagnose-Subcluster sowie hierarchischer Clusteranalyse mittels Dendrogramm wurden für die stationären Fälle mit Multimorbidität n = 13 Cluster (u.a. Cluster 3 schwere Pneumonien mit kardialer Erkrankung und akutem Nierenversagen, Cluster 11 systemische Infektionen) und für die ambulanten Fälle n = 7 Cluster identifi-ziert (u.a. Cluster 1 hämatoonkologische Erkrankungen). Mit einer Krankenhausverweildauer von mehr als 15 Tagen verblieben multimorbide Fälle aus Cluster 11 am längsten im Krankenhaus. Die längste Verweildauer in der ZNA wiesen die stationären Fälle mit Multimorbidität aus dem Cluster 7 auf (Median 7,0 Stunden). Ambulante Fälle mit Multimorbidität verblieben höchstens 3,2 Stunden in der ZNA (Cluster 5). In dieser Studie konnten für Multimorbidität typische Diagnosekombinationen in Form von Clustern identifiziert werden. Dabei zeigte sich für stationäre Multimorbide ein heterogenes Mischbild an Diagnosen, während bei ambulanten Multimorbiden vor allem hämatologische Malignome im Vordergrund standen. Die ZNA-Verweildauer stationärer Fälle mit Multimorbidität war mehr als doppelt so lang wie bei ambulanten Fällen. Mit der Entwicklung solcher multidimensionaler Multimorbiditäts-Scores könnte zukünftig eine raschere Indikationsstellung zur stationären Aufnahme und damit eine Verkürzung der Verweildauer sowie eine Verbesserung des Patientenflusses in der ZNA erzielt werden.
Schlagwörter: Notaufnahme; Multimorbidität; Disposition; Clusteranalyse; ICD-10-GM-Diagnosen