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"Wir schützen unseren Park".

Aushandlungsprozesse von Räumen, Identitäten und Institutionen im Pendjari-Nationalpark (Benin).

dc.contributor.advisorSchareika, Nikolaus Prof. Dr.
dc.contributor.authorKesseler, Sascha
dc.date.accessioned2015-12-16T11:10:07Z
dc.date.available2015-12-16T11:10:07Z
dc.date.issued2015-12-16
dc.identifier.urihttp://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0028-8677-0
dc.identifier.urihttp://dx.doi.org/10.53846/goediss-5436
dc.description.abstractDiese Arbeit befasst sich mit dem Pendjari-Nationalpark in Nord Benin, der 1954 während der französischen Kolonialzeit als Wildschutzgebiet gegründet wurde. Seitdem ist er Objekt konfliktreicher Aushandlungsprozesse zwischen Akteuren der Anrainer wie Feldbauern, Viehhirten sowie Jägern und der Parkverwaltung. Auf Grundlage ethnographischer Beobachtungen während einer 19monatigen Feldforschung und Analysen der Interaktionen zwischen diesen Akteuren geht die Arbeit im Wesentlichen der Frage nach, wie der Nationalpark als für verschiedene Akteursgruppen sozial relevante Realität konstruiert wird. Besondere Beachtung gilt dabei der Konstruktion von Räumen, Identitäten und Institutionen, die eng miteinander verbunden sind, wie die Arbeit durch theoretische Überlegungen und empirische Daten zeigt. Kern der Arbeit ist eine erweiterte Fallstudie zu den Kooperationsbestrebungen zwischen der Parkverwaltung und den lokalen Jägern. Sie verhandeln die Räume des Parks neu, der für die Jäger Jagdgebiet und Welt der Geister darstellt, während die Parkverwaltung und Akteure der internationalen Entwicklungszusammenarbeit dieses Territorium als staatlich geschütztes Gebiet für Biodiversität betrachten. Mit den akteursspezifischen Raumvorstellungen gehen unterschiedliche Normen und Werte einher. So legitimiert die Parkverwaltung den Schutz der Natur durch die entsprechende Gesetzeslage, wohingegen sich die lokalen Jäger als verantwortlich gegenüber lokalen Autoritäten sowie gegenüber den Geistern der Tiere und des Buschs empfinden. Die Identität der lokalen Jäger, die eng an den Umgang mit dem Raum des Nationalparks und den mit ihm verbundenen Normen und Werten geknüpft ist, wird in ihren Interaktionen mit der Parkverwaltung grundlegend gewandelt: von lokalen Jägern vor der Ausrufung des Schutzgebietes zu Wilderern im Nationalpark und schließlich zu lokalen professionellen Jägern, die an der Parküberwachung beteiligt sind. Die Erzählungen der Geschichte des Parkgebietes und die Ethnographie des alltäglichen Handelns der Jäger und ihrer Dorfgemeinschaften machen diesen Wandel deutlich. Vor der Parkausrufung waren sie innerhalb ihrer Gemeinschaft hoch anerkannt für ihre Verdienste bei der Entdeckung von neuen Siedlungsgebieten und als Verteidiger gegen äußere Feinde und die Kolonialmacht. Außerdem konnte man von ihnen das im lokalen Kontext sehr prestigeträchtige Wildfleisch erhalten. Nicht zuletzt wurde ihnen großer Respekt für ihren Mut gezollt, sich den Gefahren der Jagd zu stellen und den Geistern der wilden Tiere sowie des Busches zu begegnen, von denen sie gemäß den lokalen Vorstellungen magische Kräfte erhalten können. Allerdings wurden sie seit der Gründung des Parks und des radikalen Ausschlusses der Anrainerbevölkerung (fortress conservation) zunächst als zu „bekämpfende Wilderer“ deklariert. Diese neue Identität des Wilderers wurde mit der Zeit sowohl von der Anrainerbevölkerung als auch von den lokalen Jägern selbst übernommen. Erst mit der partizipativen Wende seit den 1990er Jahren und insbesondere infolge der Integration der Jäger in die Parküberwachung wurde ihre Identität erneut gewandelt: Sie wurden zu „lokalen professionellen Jägern“. In der Implementierung partizipativer Maßnahmen werden auch die Einflüsse der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und Diskurse auf das lokale Handeln ersichtlich. Dies wird deutlich bei der Integration der lokalen Jäger in die Überwachung des Parks. Dazu wurden neue Institutionen wie eine Jägervereinigung und neue Vorgehensweisen der Parküberwachung ausgehandelt. Die Stabilität dieser neuen Institutionen wird im Rahmen der Arbeit anhand der von Elinor Ostrom vorgeschlagenen Design-Prinzipien bewertet. Hauptsächlich leistet die Arbeit einen grundlegenden und empirisch fundierten Beitrag zu wissenschaftlichen Debatten der Mensch-Umwelt-Beziehungen sowie insbesondere der politischen Ökologie, indem sie die soziale Produktion des Nationalparks und der mit ihm verbundenen Räume, Identitäten sowie Normen, Werte und Institutionen betrachtet. Darüber hinaus liefert sie auch praktische Empfehlungen für die Gestaltung einer partizipativen Verwaltung von Naturschutzgebieten, insbesondere von Nationalparks.de
dc.language.isodeude
dc.relation.urihttp://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
dc.subject.ddc390de
dc.title"Wir schützen unseren Park".de
dc.title.alternativeAushandlungsprozesse von Räumen, Identitäten und Institutionen im Pendjari-Nationalpark (Benin).de
dc.typedoctoralThesisde
dc.title.translated„We protect our park“de
dc.contributor.refereeSchareika, Nikolaus Prof. Dr.
dc.date.examination2015-11-11
dc.description.abstractengThe dissertation focuses on the Pendjari National Park in northern Benin, founded as an animal protection area in 1954 under French colonial rule. Since then it has been object of often conflictual negotiations between different groups of neighboring dwellers, such as peasants, herdsmen and hunters, as well as the park administration itself. Based on ethnographic observations during 19 months of fieldwork and a detailed analysis of their interactions, the dissertation investigates how different groups of actors have constructed the park as a socially relevant entity. The main focus is on the construction of spaces, identities and institutions, which are closely interconnected. The core of the study is an extended case study of the attempts at cooperation between the park administration and local hunters. They (re-)negotiate the space of the park, which local hunters consider to be a hunting ground and domain of spirits, while park administrators and international development actors see it as a zone of state-protected biodiversity. These differing spatial imaginations are connected to specific norm and values: while the park administration legitimizes the protection of nature with reference to laws and legal norms, the local hunters feel responsible towards local authorities and the spirit world. The identities of local hunters, closely linked both to their use of the space of the national park as well as to associated norms and values, have been fundamentally altered through their interactions and negotiations with the park administration: characterized as local hunters before the establishment of the park, they came to be labeled as poachers soon after. It is only since they have become involved in the parks´ surveillance service that they are identified, and identify themselves, as local professional hunters. This is clearly demonstrated both in narratives on regional history as well as in ethnographic observations about everyday interactions. Before the foundation of the national park, hunters were highly respected for their role in discovering new settlement sites and defending their villages against outside enemies and colonial troops. Furthermore, they were providers of bush-meat, which is very prestigious in the local context. Last but not least, they were respected for their courage in facing the dangers of the hunt, such as encountering the spirits of animals and of the bush which, in the local imaginary, are considered potential sources of magical power. Since the establishment of the park and the radical exclusion of dwellers (fortress conservation), however, they were declared “poachers to be fought” by the administration. This new identity as illegal hunter was adopted over the time by communities adjoining the park and even by the hunters themselves. It was only with the turn to new participatory administrative structures in the 1990s, and especially the incorporation of hunters into the park surveillance system, that the hunters´ identity was again transformed: they became “local professional hunters”. The implementation of the participatory approach by the park administration and the subsequent integration of new forms of interaction with the hunters reveals the strong influence of international development actors and discourses on local processes. As a consequence of the “participatory turn” new institutions were established, such as a hunters´ association, and new approaches to surveillance were developed. The dissertation assesses the stability of those new institutions by drawing on Ostrom’s design principles. By showing how the national park and related spaces, identities, norms, values and institutions are socially produced, the analysis contributes to recent debates in the field of human-environment interaction and especially political ecology. Moreover, the dissertation may be of relevance to practitioners working in protected areas such as national parks as it offers complex insights and practical recommendations regarding participatory approaches to the management of natural resources.de
dc.contributor.coRefereeLoimeier, Roman Prof. Dr.
dc.contributor.thirdRefereeBendix, Regina Prof. Dr.
dc.title.alternativeTranslatedNegotiating spaces, identities and institutions in Pendjari National Park (Benin)de
dc.subject.gerpolitische Ökologiede
dc.subject.gerRaumde
dc.subject.gerIdentitätde
dc.subject.gerInstitutionde
dc.subject.gerPartizipationde
dc.subject.gerNationalparkde
dc.subject.gerJagdde
dc.subject.gerWildereide
dc.subject.gerWest Afrikade
dc.subject.gerBeninde
dc.subject.gerPendjari-Nationalparkde
dc.subject.engpolitical economyde
dc.subject.engspacede
dc.subject.engidentityde
dc.subject.enginstitutionde
dc.subject.engparticipationde
dc.subject.engnational parkde
dc.subject.enghuntde
dc.subject.engpoachingde
dc.subject.engWest Africade
dc.subject.engBeninde
dc.subject.engPendjari National Parkde
dc.identifier.urnurn:nbn:de:gbv:7-11858/00-1735-0000-0028-8677-0-8
dc.affiliation.instituteSozialwissenschaftliche Fakultätde
dc.subject.gokfullEthnologie (PPN621261858)de
dc.identifier.ppn844180017


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